Freiwillige Feuerwehr Rodheim übt Einsatz im CSA
Thorsten Ruhl trägt einen blauen Dummie über der Schulter nach draußen und gibt den anwesenden Feuerwehrleuten bereits erste Anweisungen. In wenigen Minuten startet die erste CSA-Übung in diesem Jahr bei der Rodheimer Feuerwehr und auch der blaue Dummie wird Teil davon sein. Alle Kamerad:innen, die im Feuerwehrdienst berechtigt sind, einen solchen Chemikalienschutzanzug – kurz CSA – zu tragen, müssen alle zwölf Monate an einer CSA-Gewöhnungsübung teilnehmen, um im Ernstfall souverän zu agieren. Zu diesem Zweck hat Ruhl die Einsatzfahrzeuge aus der Halle gefahren, in der nun sechs rote Schutzanzüge bereitliegen.

Wie der Name es verrät, sollen die Chemikalienschutzanzüge die Feuerwehrleute vor Chemikalien schützen – feuerfest sind sie nicht. Bei einem Brand mit Chemiekontext – etwa einem brennenden Lkw, der mit Chemikalien beladen ist – müsse man da schon abwägen, was im ersten Moment wichtiger sei, erklärt Ruhl. Er leitet die Übungen in Rodheim seit ihrer Widereinführung vor zwei Jahren. Damit alle 18 CSA-geschulten Rodheimer Feuerwehrleute ihre Gewöhnungsübungen regelmäßig absolvieren können, bietet Ruhl mehrere Termine pro Jahr an.
Am heutigen Montag müssen die Teilnehmenden verschiedene Aufgaben im Anzug absolvieren, darunter auch Schrauben mit dicken Handschuhen eindrehen oder Flüssigkeiten umfüllen. Doch zuerst müssen die Feuerwehrleute ihre Anzüge anziehen. Bereits hier sind Details entscheidend. Wehrführer Martin Schneider geht dafür eine Checkliste für die richtige Reihenfolge beim Anziehen durch, jeder Feuerwehrmann hat außerdem einen Helfer zur Seite, der unterstützt. Auch das Atemschutzgerät wird überprüft – ein kurzes Pfeifen und die Anzeige des Manometers signalisieren, dass es einsatztauglich ist. Anders als bei einem Brandeinsatz sind die CSA-Träger nicht 30 Minuten, sondern nur 20 Minuten im Einsatz. Regelmäßig müssen sie per Funk durchgeben, wie viel Druck sie noch auf ihrer Atemflasche haben.
Bei der heutigen Übung haben die Übungsteilnehmenden unter anderem die Aufgabe, den von Ruhl drapierten Dummie in einer Schleifkorbtrage von einem „brennenden“ Auto wegzutragen (heute wurde kein echtes Feuer gelegt) und eine Wanne für auslaufendes Benzin aufzubauen. Des Weiteren stehen Schläuche ausrollen, anschließen und wieder einrollen, durch die Löschfahrzeuge steigen oder eine fahrbare Schlauchhaspel oder einen Rollcontainer ums Feuerwehrhaus schieben auf der Agenda. Bei beschlagenem Schutzvisier und eingeschränkter Bewegungsfreiheit ist dies auch für gut Trainierte eine schweißtreibende Aufgabe. „Unsere Anzüge sind flüssigkeits- und gasdicht“, erklärt Thorsten Ruhl, „das heißt, wir können sie beispielsweise beim Austreten von Ammoniak oder Chlor einsetzen.“ Die Anzüge, die die Übungsteilnehmenden heute tragen, sind allerdings reine Trainingsanzüge. Für den realen Einsatz tragen die Feuerwehrleute Anzüge, die zuvor verplombt wurden und im Nachgang speziell gereinig werden müssen.
Bei einem realen Chemikalien-Einsatz wäre die Schutzzone 50 m groß, erläutert Patrick Lorenz, Teil der Einsatzabteilung und erster Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Rodheim. Nur CSA-Feuerwehrleute dürfen sich innerhalb dieser Zone aufhalten und müssen nach Abschluss ihrer Tätigkeit auf dem Dekontaminierungsplatz in mehreren Schritten professionell gesäubert und entkleidet werden. Dies sei im übrigen das Spezialgebiet der Rodheimer Feuerwehr, so Lorenz weiter. Die Rosbacher Kolleg:innen seien dagegen auf den Angriff spezialisiert. „Aber im Prinzip sollen alle alles können“, betont Lorenz.
Draußen wird es langsam dunkel, die letzten Übungsteilnehmenden müssen ihr Training unter erschwerter Sicht abschließen – dies schult ebenfalls für den realen Einsatz. Am Ende haben alle bestanden, sie müssen nun erst wieder in zwölf Monaten die nächste CSA-Schulung besuchen. Den blauen Dummie werden sie derweil auch bei anderen Übungen retten.









